Blog - Das Graffiti "Anders Steuern" vor einer dunklen Wand
Der Euro ist nicht in der Krise
21.07.2011 um 07:42:30
Autor: Helmut Schröder
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Diese Überschrift lässt sich einem Artikel auf der ersten Seite einer Berliner Tageszeitung vom vergangenen Montag entnehmen und geht zurück auf das Sommer-Interview vom Vortag in der ARD mit Angela Merkel.

Nun, was soll Sie auch sagen. Jede andere Aussage würde das ohnehin bröckelnde Vertrauen der Bevölkerung in den Euro weiter schmälern – mit fatalen Folgen.

Dabei weiß sie es wahrscheinlich besser. Das zumindest bleibt zu hoffen, denn wenn sie es nicht besser wüsste, dann wird mir angst und bange. Ist doch jedem, der sich ein wenig mit dem Euro und unserem Finanzsystem beschäftigt vollkommen klar, dass der Euro eine absolute Fehlkonstruktion ist. Darauf wiesen führende Wirtschaftswissenschaftler schon bei seiner Einführung hin. Und klagen jetzt wegen der Griechenland-Hilfen vor dem Bundesverfassungsgericht.

So schreibt Günter Hannich dazu in seinem sehr lesenswerten Buch „Die kommende Euro-Katastrophe“ sinngemäß: Durch den festgelegten Tauschkurs ergibt sich als zuerst sichtbares Problem das steigende Missverhältnis zwischen Import und Export. Hinkt beispielsweise ein Entwicklungsland (oder ein wirtschaftlich schwächeres Land wie jetzt z.B. Griechenland) immer mehr hinter der Wirtschaftsleistung des Industrielandes hinterher und ist eine Anpassung über den Wechselkurs versperrt, gibt es für das Ausland immer weniger Gründe, die teuren Waren des schwachen Landes zu kaufen. Die Exporte werden also im Vergleich zu den Importen zurückgehen – es entsteht ein sogenanntes Handelsbilanzdefizit (Das haben übrigens auch die USA, die ihren Lebensstandard nur durch Auslandsdarlehen auf Pump finanzieren. Eine Absenkung des Dollarkurses ist ihnen aber auch nicht möglich, da das Kapital sonst ins Ausland abwandern würde, was den Zusammenbruch bedeuten würde – wobei es auch in den USA nur eine Frage der Zeit ist...). Das bedeutet jedoch, dass sich die Volkswirtschaft des schwächeren Landes im Ausland verschulden muss, um den Fehlbetrag zwischen Importen und Exporten finanzieren zu können (wie in Griechenland geschehen). Es kommt schon allein durch die immer höheren Zinslasten an das Ausland zu steigenden Spannungen im wirtschaftlich schwächeren Land.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis unser zinsbasiertes Finanzsystem erneut wie schon 1873 und 1929 erneut zusammenbricht. Nach dem 2. Weltkrieg, als alles wieder auf Anfang gestellt wurde, sind nunmehr bereits 66 Jahre vergangen, es ist also an der Zeit. Die Krise von 1999/2000 bzw. 2008 waren hier nur ein Vorgeschmack.

Sind Sie auf die kommende Krise vorbereitet? Wie schätzen Sie die Situation ein? Diskutieren Sie mit.

navi_pfeil Berliner Morgenpost vom 18.07.2011



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